NILfahrt.
Mysterien einer Zitherpartie
Keine vier Wochen nach der Geburt seiner Tochter Sisi, der späteren Kaiserin von Österreich, hielt es Herzog Max in Bayern nicht mehr daheim. Ihn drängte es zu einer Orientreise. Über Sterzing, Brixen, Bozen, Triest, Athen und Korfu reiste er im Januar 1838 nach Alexandria. Dort bestieg er eine Nilbarke des ägyptischen Vizekönigs Mehemed Ali und reiste die nächsten zwei Monate den Fluss hinauf zum zweiten Nilkatarakt.
Immer mit dabei: Der Zithervirtuose Johann Petzmayer.
Gemeinsam musizierte der zitherpassionierte Herzog mit ihm auf dem Nil, in den Tempelruinen von Luxor und sogar am Fuße der Pyramiden.
- Freitag, 06.02.2026
- 20.30 Uhr Nilfahrt
- CASTANEUM in Feldthurns, Südtirol - Italien
Die Kompositionen von Herzog und Petzmayer, darunter der legendäre „Nilfahrtwalzer, spiegeln sich im aktuellen Sound von Ägypten, von Georg Glasl musikalisch umgesetzten Field Recordings.
Im Hinterfragen, Verdrehen und Verwirren gelingt es, das Reisen in andere Zusammenhänge zu stellen. Großartiges Kopfkino, das möglicherweise neue Blickwinkel öffnet.
Ruth Geiersberger: Stimme, Performance
Georg Glasl: Zither
Textfassung: Sabine Reithmaier
186 Jahre später...
sind die Münchner Performerin Ruth Geiersberger und der Kochler Zitherspieler Georg Glasl dieser Grand Tour gefolgt. Den Bericht des Herzogs im Gepäck spürten sie mit Zug und Schiff, Taxis und Pferdedroschken seinen Stationen in Ägypten nach.
Sie erkundeten Kairo, Luxor und Assuan, besuchten dieselben Moscheen und Märkte wie der Herzog. Und stellten Unterschiede, aber auch verblüffende Parallelen zur Reise im Jahr 1838 fest.
In der kurzweiligen Sprach-Musik-Collage setzen sie den herzöglichen Texten eigene Erfahrungen und Erlebnisse entgegen.
Ruth Geiersberger
Auf der Suche nach der „Heimat“ begibt sich die Künstlerin an ungewöhnliche Orte, die sich in einem sogenannten Wartezustand befinden: am Bahnhof, auf Baustellen, in Kirchen oder im Zoo. Unter Verwendung von multimedialen Mitteln macht sie in ihren urbanen Feldforschungen insbesondere die Herstellung von Idyllen, aber auch deren Enttarnung sowie Verlust und Absturz zum Thema.
An eigenen Produktionen wären u.a. zu nennen: „paradise to go“ eine Feldforschung, „Dreigesang“. Volksmusik trifft auf Neue Musik (mit Georg Glasl und Martina Koppelstetter), „Rollatorenkonzert“ für Chor und Straßengeräusche „Die letzten Dinge“, Hörstück live in der Dunkelheit eines Museums…, „Und jetzt“ Verrichtungen über das Warten. 2023 hat Ruth Geiersberger den Theaterpreis der Stadt München erhalten (www.verrichtungen.de).
Georg Glasl
Ohne die Alte Musik zu vernachlässigen, engagiert er sich seit Jahren für zeitgenössische Musik. Zahlreiche Komponisten haben für ihn und sein Instrument geschrieben.
Er spielte auf zahlreichen Festivals und in renommierten Konzertreihen (u.a. Musica viva/München, Klang-Aktionen/München, Steirischer Herbst, Wien modern, Klangspuren/Schwaz, Bemus Festival/Belgrad, Popayan-Festival/Kolumbien, Beijing Modern Music Festival,).
In den letzten Jahren arbeitet er verstärkt spartenübergreifend. Beispiele sind das BR-Hörspiel über den Hitler-Attentäter Georg Elser („Der Zitherspieler“) oder „Alpenglühen. Match, Maiandacht und magische Gesänge“, die das Bayerische Staatsschauspiel nach seiner Idee mit Dramoletten von Thomas Bernhard und zeitgenössischer Musik für Zither produzierte. (www.georg.glasl.de)